25 Jahre Leitung der Stadtbibliothek: Jörg Weinreich im Interview

RW 21

Ein Gespräch über die Anfänge, das heutige RW21 und den Blick nach vorn.

BAYREUTH – Seit nunmehr 25 Jahren leitet Jörg Weinreich die Stadtbibliothek Bayreuth. In dieser Zeit hat sich die Bibliothek vom reinen Buchort zum lebendigen Bildungs- und Kulturzentrum gewandelt. Im Interview blickt er auf seine Anfänge zurück, erklärt, was das heutige RW21 so einzigartig macht, und verrät, wie die nächsten Kapitel der Bibliothek aussehen könnten.

Wenn wir 25 Jahre zurückblicken: Welchen Weg haben Sie vor einem Vierteljahrhundert eingeschlagen, der Sie schließlich nach Bayreuth geführt hat?

Von 1988 bis 1991 habe ich an der FHB (Fachhochschule für Bibliothekswesen) in Stuttgart studiert und diese als Dipl.-Bibliothekar (FH) abgeschlossen (ein aus heutiger Sicht ausgestorbener Studiengang, der durch Bachelor- und Masterstudiengänge abgelöst wurde). Im gleichen Jahr noch konnte ich als Leiter der Stadtbibliothek in Nördlingen anfangen. Einer Kleinstadt an der Romantischen Straße, die in einem uralten Meteoritenkrater gelegen ist, dem Nördlinger Ries. Schon in Nördlingen hatte ich das Glück, eine neue Bibliothek planen zu dürfen: wir haben die Stadtbibliothek in ein ehemaliges, renoviertes Schulgebäude umgezogen.

Nach 10 Jahren in Bayerisch-Schwaben wollte ich dann eine neue Herausforderung übernehmen und bin auf die Stadtbibliothek Bayreuth aufmerksam geworden, wo ebenfalls eine neue Bibliotheksunterkunft im Gespräch war. Vor 25 Jahren, also am 01.09.2001, durfte ich die neue Stelle antreten, die ich immer noch ausfülle bzw. die mich immer noch ausfüllt.

Jörg Weinreich (Leitung Stadtbibliothek) zusammen mit Bianka Hoffmann (Stellvertretende Leitung) zu seinem 25-jährigen Dienstjubiläum.
Jörg Weinreich (Leitung Stadtbibliothek) zusammen mit Bianka Hoffmann (Stellvertretende Leitung) zu seinem 25-jährigen Dienstjubiläum. | ©RW21 Stadtbibliothek.
Jörg Weinreich schließt die ehemalige Bibliothek am Luitpoldplatz zum letzten Mal ab.
Jörg Weinreich schließt die ehemalige Bibliothek am Luitpoldplatz zum letzten Mal ab. | ©RW21 Stadtbibliothek.

Was ist es, dass Sie auch nach all den Jahren immer noch an Ihrer täglichen Arbeit fasziniert und antreibt?

An der Arbeit als Bibliotheksleitung begeistern mich viele Aspekte, aber der Wichtigste ist sicherlich die Gestaltungsmöglichkeit: Mein Team und ich können die Stadtbibliothek im RW21 zum Wohle der Besuchenden so führen und gestalten, wie wir es für sinnvoll erachten – immer mit dem Blick auf die Bedürfnisse der Menschen.

Wenn heute Besuchende das RW21 betreten, spüren sie sofort eine ganz bestimmte Atmosphäre. Was ist es aus Ihrer Sicht, das diese Bibliothek so einzigartig macht? Und wie hat sie sich über die letzten 25 Jahre verändert?

Die Besonderheit an der Stadtbibliothek, so wie sie heute dasteht, ist zum einen der ehemalige Kaufhauscharakter, der immer noch durchscheint. Wir haben ein offenes, helles, freundliches und einladendes Haus, das mit seinen Rolltreppen und Aufzügen in hohem Maße barrierefrei erschlossen ist. Damit konnten wir einen Dritten Ort gestalten, an dem die Menschen sich wohlfühlen, wo sie sich informieren und fortbilden können oder Unterhaltung und mehr finden für die Gestaltung ihrer Freizeit. Zum anderen haben wir ein vielbesuchtes, inklusives Lesecafé21, direkt im 2. OG, das vom Lebenswerk Bayreuth betrieben wird, und eine in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Bayreuth und dem Verein Rote Katze inklusive, vielfältige Artothek, bei der man Originalkunstwerke ausleihen kann.

Kein Wunder also, dass die größte Veränderung selbstverständlich der 2011 erfolgte Umzug der Bibliothek in das neue Gebäude in der Richard-Wagner-Straße war. Wir haben die Bibliothek komplett neu geplant und zusammen mit der vhs ein Bildungs- und Kulturzentrum erschaffen. Obwohl wir in diesem Jahr bereits das 15-jährige Jubiläum in diesem Haus feiern durften, ist das RW21 nach wie vor sehr modern aufgestellt, auch im Vergleich mit anderen Bibliotheken.

Gibt es diesen einen besonderen Tag oder Moment in Ihrer Bibliotheks-Geschichte, an den Sie sich immer wieder gerne zurückerinnern?

Es gab vielzählige Ereignisse, auf die ich gerne zurückblicke: Neben der Feier zur Neueröffnung im RW21 waren das v.a. der Bayerische Bibliothekstag 2012 in unserem neuen Haus, die gemeinsame Lernfeste mit der vhs und die Literaturnächte „Nacht.aktiv“, die lange pausieren mussten, aber 2027 endlich fortgesetzt werden. Es ist fantastisch zu sehen, wie viele Menschen sich von den Literatur- und Bildungsangeboten im RW21 begeistern lassen, insbesondere auch die Kinder.

Mit all dem Wissen und der Erfahrung aus 25 Jahren im Gepäck: Welchen Weg wünschen Sie der Bibliothek für die kommenden Jahre?

Meine Vision für die Stadtbibliothek und das ganze RW21 ist ein offenes Haus, das weit über die regulären Öffnungszeiten für die Bevölkerung zugänglich ist. Dieses Konzept, „Open Library“ genannt, wurde bereits in zahlreichen Städten verwirklicht. Eine Open Library darf auch morgens und nachts besucht werden, also auch außerhalb der Zeiten, während denen Bibliothekspersonal anwesend ist. Das wird dem Dritten Ort in besonderem Maße gerecht, erhöht Auslastung und Effizienz der Räume und ist ein wertvoller Baustein einer demokratischen Gesellschaft.

Darüber hinaus wird sich die Bibliotheksarbeit auch in Zukunft laufend wandeln, so wie sich die Mediennutzung wandelt. Sicherlich bleibt Lese- und Sprachförderung eine Kernfunktion der Bibliotheksarbeit. Zunehmen wird die Bedeutung als demokratischer Ort, wo man sich wertschätzend begegnen und austauschen kann, auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist. Ich bin mir sicher, dass das RW21 auch in Zukunft Herausforderungen erfolgreich bewältigen wird.